Nach über 7 Jahren war die Luft raus
Einzelhandel. Über sieben Jahre. Irgendwann war es einfach so weit – die Luft war raus.
Was mich schon die ganze Zeit begleitet hatte: Ideen. Apps, Spiele, Mods für Spiele. Irgendwas bauen wollen. Ich hatte das nie wirklich ernsthaft angegangen, aber die Neugier war immer da. Also hab ich angefangen rumzuprobieren. Mini-Apps entwickelt. Eine Webseite gebaut – unfassbar hässlich, aber sie hat funktioniert. Ich war gehookt.
Das Problem: Ich bin zu verstreut rangegangen. Alles mal angetippt, nie wirklich tief reingegangen. Sobald die Probleme größer wurden, fehlte mir das System, sie strukturiert anzugehen. Irgendwann hab ich gemerkt – ich komme nur mit Struktur weiter. Also hab ich nach etwas Recherche ein Bootcamp gebucht. Natives App-Development, ein Jahr, Swift und Kotlin.
Der Kurs war, ganz ehrlich, beschissen
Im Nachhinein hätte ich mir das Geld sparen können. Mit etwas mehr Disziplin und einer guten Roadmap – roadmap.sh, Hacking with Swift – hätte ich vermutlich mehr erreicht. Aber gut, das weiß man hinterher immer besser.
Was ich mitgenommen habe: ein Grundverständnis dafür, wie Apps funktionieren. Wie man Zustände verwaltet, wie man mit Datenbanken spricht, wie man überhaupt strukturiert denkt beim Entwickeln. Das war nicht nichts. Aber der Weg dahin war unnötig teuer und umständlich.
Der Jobmarkt danach
Nach dem Kurs fertig – und dann? Corona-Nachwehen plus KI-Boom hatten den Markt für Junior-Entwickler ziemlich zusammengestaucht. Viele Stellen gestrichen, und als Quereinsteiger ohne Studium war ein realistisches Jobangebot in der Branche kaum zu finden.
Blöd gelaufen.
Also bin ich in eine Branche zurück, in der ich mich auskannte – Bildung, Ausbildungsbegleitung. Das hatte ich schon im Einzelhandel gemacht, auch auf freiberuflicher Basis. Kein Fremdkörper. Und nebenbei habe ich Mark Rudat e.K. angemeldet, mit einem klaren Ziel: nach und nach professionelle Apps entwickeln – und dabei so weit wie möglich auf US-Dienste verzichten.
Danke, Donald.
Auf einmal viel mehr Azubis – und ganz andere Probleme
Mit dem Wechsel zum Bildungsträger hatte ich plötzlich viel mehr Teilnehmende – und die haben mir auch direkt erzählt, was sie sich anders wünschen würden.
Was ich nicht erwartet hatte: Reha-Azubis. Alle möglichen Einschränkungen – Dyskalkulie, Legasthenie, geistige und körperliche Einschränkungen. Manche auf einem Niveau, das eher Klasse 5 entspricht. Wie kriegt man die durch eine Ausbildung? Das hat irgendwie geklappt, aber dabei haben sich immer wieder dieselben drei Probleme gezeigt.
Erstens: Konzentration. Der TikTok-Guppy-Effekt ist real – eine angemessene Zeit fokussiert bleiben fällt vielen schlicht schwer. Zweitens: Deutsch. Rechtschreibung und Wortwahl, das ist bei einem großen Teil der Azubis einfach nicht mehr da. Drittens: Mathe. Dreisatz, Prozentrechnung, Flächenberechnung – das war für rund 80 Prozent eine echte Überforderung.
Daraus sind meine Ideen für Education-Apps entstanden.
Dieselkatze – der schwere Weg war die Absicht
Die Idee für Dieselkatze geht auf den Kraftstoffpreisschock während Corona zurück. Die Apps die ich damals hatte waren hässlich und vor allem frech: GPS-Zugriff einfach vorausgesetzt, kein echtes “Nein” möglich. Get the fuck out.
Also recherchiert. Es gab den einfachen und den komplizierten Weg. Ich hab den komplizierten gewählt und mich mit dem Kartellamt rumgeschlagen – aber das ist eine andere Geschichte.
Keine Daten für Kraken
Die USA entfremdet sich immer mehr von Europa. Und mit dem Aufkommen des Gedankens, dass Souveränität mehr wert ist als Bequemlichkeit, habe ich mir irgendwann gedacht – das ist eigentlich der perfekte Zeitpunkt, neu anzufangen.
Denn wenn man ehrlich hinschaut: Alles baut auf US-Konzernen auf. Egal ob App oder Webseite – man ist derzeit gläsern. Firebase, Google Fonts, CDNs, Analytics-Dienste. Die meisten Entwickler bauen das einfach ein, weil es bequem ist und am Anfang gratis. Ich hab das auch verstanden. Aber ich wollte das nicht.
Daraus ist mein Motto entstanden: Keine Daten für Kraken.
Das versuche ich so konsequent wie möglich umzusetzen – selbst gehostet, EU-Server, keine externen Abhängigkeiten zur Laufzeit. Wie gut mir das gelingt und wo ich Kompromisse eingehen musste, werde ich hier noch ausführlich schreiben.
Warum dieser Blog
Zwei Gründe stehen dahinter, ganz ehrlich.
Erstens: Ich habe inzwischen so viel gelernt, was ich mir am Anfang nicht hätte vorstellen können. Alleine was alles schiefgehen kann bei der Serveradministration. Oder wenn man denkt, man braucht jetzt unbedingt Kubernetes. Oder Ansible. Tja – da geht beim ersten Mal genug schief. Ich finde es eine schöne Idee, das zu dokumentieren. Und ich bin mir ziemlich sicher: Wäre ich damals über so einen Blog gestolpert, hätte ich das sehr interessant gefunden.
Zweitens, ganz pragmatisch: Wenn auf meiner Seite regelmäßig was passiert – neue Blogeinträge – werde ich bei einer Google-Suche vermutlich nicht ganz so weit unten angezeigt. Ob es wirklich so trivial ist, weiß ich nicht. Suchmaschinenoptimierung ist eine Welt für sich. Aber schadet sicher nicht.
Das hätte ich gerne früher angefangen. Aber naja – es ist wie es ist. Jetzt fange ich an.
Willkommen.